Wie uns das Mikrobiom kontrolliert

Unser Darm ist der Regisseur unserer Gesundheit und – wie es bereits Hippokrates wusste – der Ort, wo die Krankheit anfängt. Dennoch gilt er nicht als ein besonders glamouröses Thema und trifft auf Scham, Gekicher und Verlegenheit.

Tatsächlich kann uns aber das Mikrobiom – mit all den Trillionen von Bakterien im Darm und auf der Haut – sehr viel über unsere Gesundheit verraten und ist daher auf jeden Fall etwas, worüber man sprechen sollte. Der Darm ist aktuell auch besonders stark im Fokus der Forschung und ein Gebiet, wo sich bahnbrechende Entdeckungen auftun.

Hier sind neun faszinierende Fakten aus dem Leben des Mikrobioms:

1. Dein Mikrobiom ist unvorstellbar groß.

Dein Mikrobiom umfasst circa 100,000,000,000,000 (das sind 100 Trillionen) Mikroben. Ein Trillion Banknoten eine neben der anderen würden einen Bogen von der Erde bis zur Sonne spannen und zurück… Jetzt hast Du ungefähr eine Idee davon, was in dir lebt.

2. Es ist enorm komplex.

Mit Hunderten bekannter Bakterienstämme und vielen, die noch unbekannt sind, ist die Vielfalt der Bakterien in deinem Mikrobiom von immenser Bedeutung für deine Gesundheit. Je reichhaltiger die Vielfalt, umso besser unser Gesundheitspotenzial. Sie ist abhängig nicht nur von der Art der Nahrung, die wir zu uns nehmen sondern auch vielen anderen Faktoren, etwa der Umgebung in der wir leben, der Gesundheit der Tiere, mit welchen wir spielen, der Sauberkeit der Luft, die wir atmen. Sogar wo und wie wir geboren wurden spielt eine Rolle! All das beeinflusst die Artenvielfalt in unserem inneren Garten.

3. Wir sind vielmehr Bakterien als Menschen.

Unser Darm beinhaltet 100 Trillionen Bakterien. Vergleiche es mit den 10 Trillionen Zellen in unserem Körper – Fakt ist: wir sind also 10 Mal mehr bakteriell als menschlich! Übrigens, die Anzahl der Gene des Mikrobioms übertrifft die Anzahl deiner Gene um das 100-fache!

4. Es ist das Fundament deiner Gesundheit.

Wir beginnen erst jetzt zu verstehen, dass viele Gesundheitsprobleme die auf den ersten Blick scheinbar gar nicht mit dem Darm verknüpft sind, tatsächlich genau dort ihren Ursprung haben, etwa Diabetes, Herzkrankheiten, Asthma, Krebs.

5. Unser Immunsystem sitzt im Darm.

Wenn du dich permanent krank fühlst und chronisch müde, überprüfe die Gesundheit Mikrobioms. Ca. 80 % des Immunsystems entstehen im Darm. Kein Wunder, dass viele immunologische Störungen, etwa Autoimmunkrankheiten auf gastrische Probleme zurück zu führen sind.

6. Es beeinflusst sehr viele Aspekte deiner Gesundheit.

Du wirst jetzt denken: “Ich habe keine Blähungen, keinen Durchfall und keine Verstopfung, es gilt also nicht für mich”. Du musst aber keine Darm Symptome haben, um Darmprobleme zu haben. Die Mehrheit von unterschwelligen Darmproblemen schafft keine Symptome, zeigt sich aber durch systemische Wirkung irgendwo anders im Körper.

Drei asymptomatische Darmprobleme, die sich nicht unbedingt im Darm äußern sind Leaky gut, Dünndarmfehlbesiedlung und Candida Hefepilz.

7. Es ist dein zweites Gehirn.

Faszinierende 95 Prozent des Glück bringenden Neurotransmitters Serotonin entsteht und wird im Darm gespeichert! Aus diesem Grund und auch weil der Darm und das Gehirn direkt durch den Vagus Nerv verbunden sind, ist es üblich in der Medizin zu sagen: „das zweite Gehirn sitzt im Darm“.

Diese Darm-Hirn-Achse ist etwas, was sehr stark im Fokus der Funktionellen Medizin steht. So werden zum Beispiel Angstzustände und Depressionen mit einem zu schwachen Status an Bakterien der Stämme Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum assoziiert. Es ist immer wieder faszinierend festzustellen, wie sich bestimmte Bakterienarten auf spezifische gesundheitliche Aspekte auswirken, auf die Stimmung, auf Entscheidungen etc. Um ein gesundes Gehirn zu haben, muss der Darm gesund sein.

8. Es bestimmt dein Gewicht.

Ich habe mit unzähligen Patienten gesprochen, die mit Übergewicht seit der Kindheit zu kämpfen hatten. Nun, jetzt weiß die Wissenschaft, dass der Darm und sein Mikrobiom eindeutig für das Scheitern der Abnehmversuche zuständig ist. Oft deutet Fettleibigkeit auf ein bakterielles Ungleichgewicht hin, insbesondere eine übermäßig große Anzahl der Firmicutes. Andere Studien zeigten bei Patienten mit dem Metabolischen Syndrom eine deutliche Verbesserung der Triglyceridwerte und anderer Risikofaktoren von Herzkrankheiten nach Einnahme von Probiotik.

9. Deine Ernährung ist Schlüssel zum Mikrobiom.

Polyphenole, solche wie in Blaubeeren, Kaffee, Olivenöl spielen eine wichtige Rolle in der Prävention von degenerativen Krankheiten dadurch, dass sie die Darmflora entsprechend verbessern. Das ist die Kraft am Ende unserer Gabel!

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