Neue Nahrungsergänzung? Lies das hier zuerst.

Die Verwendung von Supplementen – Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und weiteren Substanzen in Nahrungsergänzungsmitteln, die in Form von Kapseln, Tabletten, Pulver oder auch in flüssiger Form als Lebensmittel zur Ergänzung der Ernährung angeboten werden – kann sinnvoll sein, wenn Lebensumstände einen erhöhten Bedarf bedingen oder es schwierig ist, die Ernährungsempfehlungen im Alltag einzuhalten. Wie ironisch es dann wäre, wenn deine Nahrungsergänzung zur Unterstützung der Leber Pestizide enthalten würde… Oder eins für die Darmgesundheit voller Gluten und Zucker ist? Hast du dich jemals darum gekümmert, zu prüfen, wo all die Produkte herkommen? Wenn du etwas nimmst, das für dein höchstes Gut bestimmt ist, dann sollte es von höchster Güteklasse sein.

Hier sind ein paar nützliche Fragen, die wir uns bei der Auswahl eines Nahrungsergänzungspräparates stellen sollten:

Weißt du wie die Herstellung deines Nahrungsergänzungsmittels reguliert ist?

Trotz der allgemeinen Behauptung, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich nicht geregelt sind – die Industrie der gesunden Supplemente folgt sehr wohl bestimmten Grundsätzen.

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Deshalb unterliegen sie den umfangreichen gesetzlichen Bestimmungen, die für alle Lebensmittel gelten. Dabei lautet die wichtigste Vorschrift, dass Lebensmittel sicher sein müssen (Artikel 14 Verordnung (EG) Nr. 178/2002) –– das müssen die Hersteller sicherstellen (Artikel 17 Verordnung (EG) Nr. 178/2002). Anders als Arzneimittel bedürfen Nahrungsergänzungsmittel keiner Zulassung, ihr Markteintritt muss aber angezeigt werden. Das bedeutet, dass Nahrungsergänzungsmittel aus Deutschland, bevor sie in den Verkauf gehen, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet werden müssen.

Über die allgemeinen Vorschriften des Lebensmittelrechts hinaus gibt es zudem spezielle Vorschriften für Nahrungsergänzungsmittel, die in der Nahrungsergänzungsmittel-Verordnung (NemV) festgehalten sind. Die NemV enthält spezielle Vorgaben zu Zusammensetzung und Kennzeichnung und schreibt die Anzeigepflicht für Nahrungsergänzungsmittel vor.

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten zunächst einmal wie für alle Lebensmittel die Vorschriften der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV). Demnach sind auch bei Nahrungsergänzungsmitteln grundsätzliche Angaben wie zum Beispiel die Zutatenliste, das Mindesthaltbarkeitsdatum oder der Name des Herstellers erforderlich.
Es muss immer darauf hingewiesen werden, dass die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge nicht überschritten werden darf, dass ein Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung ist und dass die Produkte außerhalb der Reichweite von Kindern zu lagern sind.

Darüber hinaus muss ein Produkt mit der Health-Verordnung vereinbar sein. Nach der Health-Claims-Verordnung dürfen in der EU nur evidenzbasierte gesundheitsbezogene Aussagen zu einem Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden. In der Praxis sind dies solche Aussagen, die im EU Register of nutrition and health claims made on foods aufgeführt sind.

In den USA sind es die Food and Drug Administration (FDA) sowie die Federal Trade Commission (FTC), die zuständig sind. Die Standards dafür wurden im Dietary Supplement Health and Education Act of 1994 (DSHEA) festgesetzt. Von der FDA werden die Grundlagen für Herstellungspraktiken, Inhaltstoffe und Qualitätskriterien wie Reinheit und Potenz festgelegt. Sollte ein Unternehmen eigene, spezifische Herstellungsmethoden einsetzen, so wird es regelmäßig kontrolliert.

Was wissen wir über die Praktiken der Landwirtschaft?

Oft wissen wir, woher unsere Lebensmittel kommen. Die Orangen kommen aus Florida, das Fleisch vom lokalen Erzeuger. Aber wissen wir es auch bei einem Nahrungsergänzungsprodukt? Die Quellen sind entscheidend. Wo wachsen die Pflanzen? Werden sie biologisch angebaut? Werden die Bauern entsprechend entlohnt für ihre Arbeit? Achte darauf, dass die Unternehmen, den du dein Vertrauen schenkst die Werte vertreten, die auch mit deiner Wertekultur zu vereinen sind. Insbesondere kleinere Familien geführte Unternehmen achten sehr darauf, die Welt Ihrer Produkte mit aller Liebe, Achtsamkeit und Transparenz abzubilden. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Wirst du von den Herstellern animiert, einen Gesundheitsexperten zu konsultieren?

Wir müssen kein Rezept haben, um Nahrungsergänzung zu kaufen. Es heißt dennoch nicht, dass unsere Auswahl sicher ist. Es gibt sämtliche Interaktionen unter den Inhaltstoffen diverser Produkte, auch die individuelle Dosis ist von höchster Wichtigkeit, sowie die eventuellen Kontraindikationen – insbesondere falls du an einer chronischen Erkrankung leidest oder Medikamente einnimmst. Ein seriöser Hersteller vom Nahrungsergänzung wird dir immer empfehlen, einen Fachmann zu befragen, optimal einen Arzt mit der integrativen Ausrichtung auf Funktionelle Medizin. Er wird nicht nur deinen speziellen Status und Bedarf unter die Lupe nehmen, sondern auch die Ergebnisse neuester Studien kennen und wird dich im gesamten Prozess begleiten.

Wird Zeit und Geld in Forschung investiert?

Es ist sinnvoll zu wissen, ob der Hersteller deiner Wahl mit Experten aus der Wissenschaft assoziiert ist – mit Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen. Wird das Wissen um die verwendeten natürlichen Ressourcen gepflegt? Gerade große Unternehmen sollten in die Forschung involviert sein.

Steht dir die bestmögliche bioverfügbare Form und die korrekte Dosis zur Verfügung?

Angenommen, du möchtest Vitamin D supplementieren, so fängst du an zu suchen und wirst förmlich bombardiert von den endlosen Varianten: Vitamin D2, D3, D3 mit K2 oder E oder A – und was ist denn Alpha-Hydroxyvitamin D?? Ganz zu schweigen davon, dass jedes Fläschchen eine ganz andere eigene Dosierung hat. All das ist noch ein Grund, um einen Arzt zu konsultieren. Wenn du aber die Entscheidung alleine triffst, dann solltest du gut recherchieren und sicherstellen, dass du auf die richtigen Quellen zurückgreifst. Grundsätzlich gilt: je spezifischer die Liste der Inhaltstoffe auf der Verpackung, umso besser. Du solltest wissen, in welcher Form das Vitamin kommt, etwa ist es Magnesium als Magnesium citrate oder glycinate. Und unbedingt, lass deinen Doktor wissen, welche Nahrungsergänzungsmittel du einnimmst, denn sie können sich positiv und negativ auswirken auf deinen Körper.

Kennst du alle Inhaltstoffe?

Es wird dich überraschen, dass einige üble Zutaten dennoch in so manches Nahrungsergänzungsmittel hinein finden – künstliche Farbstoffe, Süßstoffe etc. Diese Zutaten sind nicht etwa förderlich für die Gesundheit, sondern vielmehr da, um die Herstellungskosten zu minimieren oder die Produktion zu erleichtern. Daher sollte man das Etikett immer aufmerksam lesen und solche Produkte wählen, die frei von Gluten, Ei, Erdnuss, genmanipulierten Inhaltstoffen, Propylene Glycol, Talkum, Schellack, BHT und BHA sind oder diversen unnötigen Bindemitteln, Füllstoffen und Konservierungsstoffen sind. Viele Unternehmen deklarieren es sofort auf der Verpackung, das erleichtert uns die Detektivarbeit.

Welche Qualitätsanforderungen gelten für Vitamin- und Mineralstoffverbindungen?

Gesetzliche Vorgaben über Reinheit und Soll-Beschaffenheit, sogenannte Reinheitskriterien, definieren die Qualitätsanforderungen an die Vitamine und Mineralstoffe, wobei auch Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden. In Deutschland gelten die Anforderungen, die in der Zusatzstoff-Verkehrsverordnung bzw. in der europäischen Verordnung (EU) Nr. 231/2012 zur Festlegung von Spezifikationen von Zusatzstoffen festgelegt sind.

Gibt es Zertifikate Dritter?

Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Produkt Qualitätszertifikate unabhängiger Organisationen trägt, zum Beispiel das NSF Zertifikat (National Sanitation Foundation). Es muss allerdings betont werden, dass diese Siegel sehr kostspielig sind und für kleinere Manufakturen oft unerschwinglich.

Ein guter Ansprechpartner für uns sind dann Verbraucherzentralen, um den Verbraucher vor möglichen gesundheitlichen Risiken und der Irreführung zu schützen. Weitere Informationsquellen sind das Bundesinstitut für Risikobewertung wie auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Lagerungsmodalitäten.

Die Wirkungskraft also die Effizienz von vielen (nicht allen) Nahrungsergänzungsmittel nimmt ab mit der Zeit. Wähle eher solche, die ein MHD besitzen, denn bis dahin ist vom Hersteller die Qualität garantiert. Richte dich auch nach den Instruktionen, die auf der Verpackung hinsichtlich Aufbewahrung genannt sind, um das möglichst Beste aus deinem Schatz heraus zu holen.

Und schließlich noch eine wichtige Botschaft: Supplementierung befreit dich nicht von der Eigenpflicht, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Es geht nicht darum, ein Medikament durch ein Nahrungsergänzungsmittel – sei es auch natürlicher Herkunft – zu ersetzen, und dabei die Bedeutung guter Ernährung, Pflege und Bewegung zu ignorieren. Eine Nahrungsergänzung ergänzt Defizite, die evident vorhanden sind. Du solltest dich nicht von Nahrungsergänzung ernähren. Ernährung ist unsere erste Medizin.

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