Der Trend-Report „I-Beauty: The Next Beauty Powerhouse“ von The Future Laboratory (in Kooperation mit Together Group) sieht Indien als eine der strategisch wichtigsten Schönheits-Mächte der kommenden Jahre.
Die Haupttreiber dieses Wandels sind eine Mischung aus wirtschaftlichem Wachstum, technologischer Infrastruktur, kultureller Verwurzelung und Innovation.
Die zentralen Kräfte, die den indischen Beauty-Markt prägen
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Frictionless Futures („Reibungslose Zukunftsentwürfe“):
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Der Handel wird zunehmend technologiegetrieben: KI-gestützte Produktempfehlungen, kuratierte Plattformen, schnelle Lieferung über „Quick Commerce“ (Q-Commerce).
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Damit entsteht ein sehr direktes, datenorientiertes Retail-Modell, das den Kunden sofortigen Zugriff und eine personalisierte Entdeckung erlaubt.
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Climate-adapted Beauty („Klima-adaptierte Schönheit“):
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Aufgrund der klimatischen Vielfalt Indiens (z. B. starke UV-Belastung, hohe Luftverschmutzung, schwankende Wetterlagen) wachsen Bedürfnisse nach Formulierungen, die auf diese Umweltbedingungen reagieren.
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Produkte mit Schutzfunktionen – etwa gegen UV, Hitze oder Schadstoffe – gewinnen an Bedeutung.
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Dieser Trend könnte auch global relevant werden: Innovationen, die in Indien entstehen, könnten Vorbildcharakter erhalten, wenn andere Regionen mit ähnlichen Umweltproblemen konfrontiert werden.
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Cultural Continuums („Kulturelle Kontinuitäten“):
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Traditionelle indische Schönheitsrituale (z. B. Ayurveda, Kräuterwissen) werden nicht einfach nostalgisch wiederbelebt, sondern modern interpretiert – mit wissenschaftlicher Fundierung.
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Diese Verbindung von kulturellem Erbe und moderner Forschung schafft Produkte, die tief verwurzelt, aber trotzdem innovativ sind.
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Für Marken bedeutet das: Lokale Authentizität ist ein zentraler Wert – nicht nur für indische Konsument*innen, sondern potenziell auch für den internationalen Markt.
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Planetary Beauty („Planetare Schönheit“ / Nachhaltigkeit):
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Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung sind wichtige Themen. Der Report zeigt, dass jüngere indische Konsument*innen stark darauf achten, dass Marken Verantwortung übernehmen, z. B. durch nachhaltige Verpackungen oder Herstellungsprozesse.
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Alte, in der indischen Kultur verwurzelte Systeme (z. B. traditionelle Heilpflanzen, Upcycling von natürlichen Materialien) werden neu gedacht, um einen modernen, umweltfreundlichen Schönheitsansatz zu schaffen.
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Diese Verbindung von „alt + nachhaltig + modern“ kann ein Modell für globales „grünes Beauty-Business“ sein.
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Decentralised Influence („Dezentralisierte Einflussnahme“):
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Einfluss in der Beauty-Welt ist nicht mehr zentralisiert auf große Promis oder Werbekampagnen. Stattdessen wächst die Bedeutung von Mikro-Communities, lokalen Expertinnen, und Content Creators.
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Bildung und Authentizität sind entscheidend: Konsumentinnen vertrauen eher Empfehlungen von Expertinnen oder Gleichgesinnten als klassischer Werbung.
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Dieser Wandel verändert, wie Beauty-Marken kommunizieren und sich positionieren müssen – mehr auf Kultur, weniger auf Glamour.
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Makro-Bedeutung & strategische Implikationen
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Indien als Innovationslabor: Der Report beschreibt Indien nicht nur als wachsenden Konsum-Markt, sondern als Innovations-Hauptstadt der Beauty-Branche. Innovation dort ist nicht bloß Replikation globaler Trends, sondern eine Eigenentwicklung mit kulturellem Tiefgang.
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Wachstumspotenzial: Die Kombination von digitalem Handel, lokaler Markenentwicklung und klimabezogenen Formulierungen kann das Marktwachstum stark beschleunigen. Laut Bericht ist das Online-Segment besonders dynamisch.
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Chancen für globale Marken: Internationale Unternehmen können aus Indien lernen – insbesondere in den Bereichen Geschwindigkeit (Q-Commerce), personalisierte Produkte, Nachhaltigkeit und kulturelle Authentizität.
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Markenaufbau & Community: Für Beauty-Brands, die in Indien erfolgreich sein wollen, ist es wichtig, nicht nur Produkte zu verkaufen, sondern auch Community-Strukturen zu schaffen: Bildungsinhalte, kulturelle Geschichten und vertrauenswürdige Kanäle sind Schlüssel.
Kritische Einschätzung & Risiken
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Fragmentierung: Indiens Vielfalt (Region, Klima, Sprache, Kultur) ist eine Stärke, aber auch eine Herausforderung. Marken müssen sehr differenziert denken, um nicht pauschal zu kommunizieren.
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Nachhaltigkeitsansprüche: Es ist eine Sache, Nachhaltigkeit zu propagieren, eine andere, sie umzusetzen. Echtes Kreislaufdenken kostet, und nicht alle Marken werden das auf profitabler Basis schaffen.
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Skalierung vs. Authentizität: Wenn lokale, kulturell geerdete Marken schnell wachsen, besteht die Gefahr, dass sie an Authentizität verlieren. Der Spagat zwischen globalem Erfolg und kulturellem Ursprung ist nicht trivial.
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Regulatorische Hürden: Traditionelle Inhaltsstoffe (z. B. Pflanzen, Kräuter) können regulatorisch kompliziert sein, besonders bei Export oder bei neuen Formulierungen.
Der Report „I-Beauty: The Next Beauty Powerhouse“ zeichnet ein kraftvolles Bild: Indien ist nicht nur ein Konsum-Wachstumsmarkt, sondern ein kreatives, technologisches und kulturelles Zentrum der kommenden Beauty-Ära. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Tradition (Ayurveda, Ritualen), Innovation (Biotech, KI), digitaler Infrastruktur (Q-Commerce) und nachhaltiger Perspektive (Planetary Beauty) gestaltet Indien eine neue Definition von Schönheit – eine, die global relevant sein könnte.
Für Marken, Investoren und Beauty-Strateg:innen ist I-Beauty ein Modell, das nicht ignoriert werden kann. Wer es versteht, mit den fünf genannten Kräften zu arbeiten, kann nicht nur im indischen Markt, sondern auch international erfolgreich agieren.
